Nachdem ich im letzten Artikel die Rolle von apostolischer Leiterschaft auf der Ebene der Lokalgemeinde erläutert habe, will ich in diesem Artikel über die Rolle von apostolischer Leiterschaft auf der translokalen (überregionale) Ebene schreiben.
Konfessionelle Leiterschaft war größtenteils in Händen von Administratoren, gewöhnlich bezeichnet als konfessioneller Vorstand (Präsidium). Sie starteten ihren Werdegang als Pastoren und wurden dann in den überregionalen, konfessionellen Vorstand befördert. Konfessionelle Verfassungen und Statuten schufen gewöhnlich administrative Positionen, die über Gemeinden in einem festgelegten Territorium Autorität (z.B. Regional Leiter) besaßen. Pastoren waren diesen Leitern gegenüber verantwortlich. Ein Pastor der Pastoren.

Überregionale, apostolische Leiterschaft steht oder fällt nicht mit einer kirchlichen Position, sondern mit persönlichen Beziehungen. Apostolische Netzwerke ersetzen Konfessionen! Lokale Gemeinden sind autonom und die Leiter/Pastoren sind auch die Leiter der Gemeinden. Sie entscheiden, ob sie sich unter die „geistliche Abdeckung“ eines translokalen Apostels begeben. Das bedeutet, dass sie eine beidseitige persönliche Übereinkunft treffen, dass der Apostel geistliche Autorität über den Leiter/Pastor übernimmt; in sein Leben hineinspricht; sich um Dienstangelegenheiten kümmert, die Unterstützung von außen erfordern; den Leiter/Pastor ermutigt und ihm als geistlicher Vater dient! Diese Abmachung bleibt nur solange aufrecht, wie die persönliche Beziehung positiv ist. Apostolisch orientierte Leiter/Pastoren spüren, dass Apostel ihrem Leben und Dienst Wert hinzufügen. Sie sind überzeugt, dass sie ohne die geistliche Abdeckung durch einen Apostel ihre volle Bestimmung im Dienst für Gott nicht erreichen können.
Der Übergang von konfessioneller Führung zur apostolischen Führung lässt sich sehr gut an der Gegenüberstellung dessen betrachten, was man pastorale Gesinnung mit apostolischer Gesinnung nennen könnte. Die Gemeinde kann ohne beide Ämter nicht existieren. Doch Pastoren und Apostel sind so unterschiedlich wie Auge und Hand.

Hier ein paar Schlussfolgerungen die den Unterschied der beiden Gesinnungen hervorragend beschreiben:

Die pastorale Gesinnung legt den Schwerpunkt auf den einzelnen Gläubigen, die Schafe.
Die apostolische Gesinnung ist auf die gemeinschaftliche Vision und Ausstreckung der Lokalgemeinde ausgerichtet.

Die pastorale Gesinnung möchte die Gemeinde, die Herde, auf die nächste Ebene des Dienstes untereinander bringen.

Die apostolische Gesinnung reicht über die Gemeinde hinaus und zielt auf die Transformation der Stadt und der Region.
Die pastorale Gesinnung versucht Harmonie, Ausgeglichenheit, Friede und Stabilität aufrechtzuerhalten.
Die apostolische Gesinnung drängt mit allen Risiken, die aggressiver Kampf mit sich bringt, bis an die Grenzen des Auftrags Gottes. Sie schafft einen Frieden, der den Frieden der Toleranz konfrontiert.

Die pastorale Gesinnung betrachtet die Gemeinde als Familie Gottes. Sozialisierung ist ihr sehr wichtig.

Die apostolische Gesinnung sieht die Gemeinde als Armee Gottes.
Pastoren möchten ihre Leute im Schlafzimmer sehen (Intimität mit Gott) .
Apostel wollen sie auf dem Schlachtfeld wiederfinden (Kampfführung gegen den Feind).

Pastoren fühlen sich mit Lehrern wohl und schließen sich ihnen leichter an.
Apostel fühlen sich mit Propheten wohler und können sich mit ihnen besser verbinden.
Pastorale Gesinnung vermeidet Auseinandersetzungen, damit alles ruhig bleibt.
Die apostolische Gesinnung heißt Auseinandersetzungen willkommen und konfrontiert sie mit dem Ziel, eine Lösung zu finden.

Hier noch ein Kriterium, was die Unterschiedlichkeit deutlich macht.
Im Gegensatz zur pastoralen Sicht von Einheit ist die am ehesten durchführbare Option eine apostolische Sicht von Einheit. Was ist der Unterschied?
Pastorale Einheit ist motiviert durch Barmherzigkeit, beziehungsbezogen, politisch korrekt, schließt Kompromisse, ist höflich und friedlich.
Apostolische Einheit ist zielorientiert, visionär, aggressiv, ohne Kompromisse, kriegerisch und oftmals scharf. Erneuerungsleiter wie Martin Luther, John Knox, William Booth, Smith Wiggelsworth und viele andere passen ganz klar in diese letzte Beschreibung.

Der alte Weinschlauch ist nicht ausschließlich pastoral, während der neue Weinschlauch nicht nur apostolisch ist! Dennoch, diejenigen, die das 2. apostolische Zeitalter so gründlich wie nur möglich verstehen möchten, werden den Wechsel des Schwerpunktes dieser beiden Gesinnungen in der Gemeindeführung als unverkennbaren Trend erkennen.

Es mir völlig klar, dass der Leib Christi auf Erden und besonders in Deutschland noch nicht in einen natürlichen Prozeß der Veränderung der Gemeindeleitungsstruktur angekommen ist. Deshalb hören sich diese Aussagen vielleicht auch etwas polemisch an. Doch darum geht es nicht. Es geht um den Willen des Hauptes der Gemeinde, Jesus Christus, der die Wiederherstellung seiner Gemeinde mehr will als wir.

Alle fünf Ämter sind existentiell notwendig, um den Leib Jesu – seine Gemeinde – in die volle Reife und Erkenntnis zu führen, damit die Gemeinde einer zerbrochenen Welt die Weisheit Gottes zur Rettung Gott-gemäß zeigen kann. Darum geht es!

 

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