„Denn ihr verschließt das Reich des Himmels vor den Augen der Menschen und geht weder selbst hinein, noch erlaubt ihr denen, die hineingehen möchten, es zu tun.“
Matthäus 23: 13-14

Womit verschließen die Pharisäer das Reich Gottes vor den Augen der Menschen? Mit ihrem Beispiel! Sie leben ein Leben, das keinerlei Aussage über ein Suchen und Eintreten in das Reich Gottes trifft. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Sie sind vielmehr ein abschreckendes Beispiel, weil sie die Regeln und Gesetze wichtiger machen, als Gott selbst und diese Regeln dann auch noch selber nicht halten, sondern nur darüber reden, dass andere sie halten müssen. Es kam sogar noch schlimmer. Sie töteten die Propheten, die Weisen und die wahren Gesetzeslehrer, um zu verhindern, dass diese dem Volk Gott offenbaren konnten, wie er wirklich ist, um ihr System zu schützen.

Der Glaube, der eine Begegnung zum Ziel hat, gibt Aufschluss darüber, wie Gott ist und was er will. Der lebendige Glaube, ermöglicht eine Erfahrung entsprechend dem Hören, die zu einem Kontakt mit einer Person führt. Dieser Glaube ist für ein System, das in Regeln und Geboten erstarrt ist, sehr gefährlich. Die Person, mit der man in eine Begegnung kommt, ist keine geringere als Gott selbst, und Gott offenbart sich immer mit seiner Kraft. Wenn er redet, geschieht etwas. Seine Kraft zeugt von seinem Wesen, besonders dort, wo Verletzung, Zerstörung und Elend ist. Sein Wesen ist Liebe. Er will Beziehung. Beziehung, die heilt und selbst heil ist. Doch wenn Gott seine Kraft demonstriert, gerät das gesetzliche Glaubenssystem ins Wanken. Und das ist notwendig.

Als Jesus am Kreuz für die Sünde der Menschheit starb und damit der Weg zum Vater wieder uneingeschränkt geöffnet wurde, zerriss der Vorhang im Tempel. Dieses Ereignis symbolisiert den direkten Zugang zu einer Beziehung mit Gott. Das neue Zeitalter des Neuen Testaments war geboren und die Vertreter des alten Zeitalters wehrten sich heftig gegen diese Veränderung. Genauso verhält es sich heute noch. Im Laufe der 2000-jährigen Kirchengeschichte sehen wir immer wieder diese Konflikte, die ein Übergang von einer geistlichen Epoche zu einer neuen Epoche mit sich bringt.3

Während meiner Zeit als Jugendpastor hatte ich die Verantwortung über ungefähr 80 Jugendliche in einer relativ großen Stadtgemeinde. Der Hauptpastor war ziemlich streng und bekannt für seine Härte und seine Regeln, die er von der Schrift ableitete und unerbittlich einforderte und durchzusetzen versuchte. Dieser Pastor hatte mehrere Söhne. Einer von ihnen war aus dem väterlichen Gemeindeleben völlig ausgebrochen. Er trieb sich mit Punkern einer berüchtigten Straße in dieser Stadt herum, spielte auf seinem Instrument in einer Punkband und hatte mit seinem Vater, der Gemeinde und der Jugendarbeit nichts mehr am Hut. Traurig ist, dass er auch aufgrund falscher oder fehlender Glaubensvorbilder auf die schiefe Bahn geriet. Gott zeigte mir plötzlich, dass er diesen Jungen zurückgewinnen wollte. Ich machte mich auf und wir verabredeten uns auf ein Bier. Nach einigem Austausch und meinem Interesse an seiner Person konnte ich ihn wieder für Jesus sensibilisieren. Er stellte gute Fragen, zum Beispiel warum sein Vater Zuhause so offensichtlich anders war als in der Gemeinde oder warum die Gemeinde so viele Regeln aufstellte, die seines Erachtens nichts mit der Jüngerschaft, wie Jesus und seine Freunde es lebten, zu tun hatte. Er suchte Authentizität im Gemeindeleben, das Jesus und sein Königreich wiederspiegelte, fand aber stattdessen Verbote, Warnungen und ein fromm klingendes Verhaltensregelwerk. Es brachte Künstlichkeit hervor, kein echtes Leben. So war er verbittert und erzählte begeistert, wie die Punks lebten: wild und ungehobelt, aber authentisch, ehrlich und unkompliziert. Das spießige Gesellschaftsestablishment verhöhnend, lebten die Punks das aus, an was sie glaubten: Kameradschaft, Freiheit, Kreativität und Grenzenlosigkeit. Mir fiel auf, dass dies fast alles Elemente aus dem Königreich Gottes waren, die in geheiligter Weise genau dort, wo Gott regiert, Zuhause sind. Ich konnte ihm vermitteln, dass Jesus anders ist als sein Vater, was für ihn nicht besonders schwer war zu glauben. Doch wie war Jesus? Er sollte bald eine kraftvolle Gelegenheit bekommen zu erfahren, wer Jesus wirklich ist.

Eine Großevangelisation mit dem deutschen Evangelisten Reinhard Bonnke, die in unserer Stadt veranstaltet wurde, brachte die Wende. Wir trafen uns auf dem Veranstaltungsfeld und gingen hinter die Absperrungen und hörten sozusagen inkognito der Predigt zu. Der Sohn des Pastors wollte nicht von möglichen Bekannten gesehen werden. Als Reinhard Bonnke den Bekehrungsaufruf machte, sah ich, wie dieser Junge mit Tränen in den Augen sagte, er wolle Jesus sein Leben schenken. Wir beteten das Übergabegebet und eine große Freude erfüllte meinen jungen Freund. Er wurde einer der Musiker in unserer neugegründeten Jugendband und war ein großes Zeugnis für viele Jugendliche, deren Glaube an Gott durch die mangelnde Authentizität der Gläubigen in der Gemeinde Schiffbruch gelitten hatten.

1 Comment

  1. Das ist ein tolles Zeugnis!!!
    Vor allem die Stelle, an der du schreibst, wie du dich führen hast lassen und diesem jungen Mann dein Interesse an seiner Person ausgedrückt hast.

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