Der fünffältige Dienst hat nicht den Sinn und Zweck, dass es „Profis“ gibt, die für die anderen Mitglieder den Job machen, weil sie so sehr die Gaben tragen. Die bekannten Gemeindemodelle geben das aber so wieder. Die Diensttuenden, Vollzeitlichen kommen meist aus einer Bibelschule oder Universität. Sind gut ausgebildet und kennen sich aus, wie es in einer Gemeinde zuzugehen hat. Sie werden von der Gemeinde gewählt und berufen und meistens angestellt. Sie sind dann die Profis, die den Gemeindealltag organisieren und lenken sollen. Die meisten Mitglieder sehen ihnen dabei zu, um für ihren harten Alltag ermutigt zu werden. Die Ausrüstung liegt meistens in dem Aufrechthalten des Glaubens, den sie an ihrem Arbeitsplatz oder Lebensumfelder nicht aufgeben sollten.

Doch das lehrt Paulus so nicht! Die Ämter sind deshalb so kraftvoll, damit Menschen der Gemeinde in diesen Diensten trainiert und reif werden, um Jesus in ihrem Umfeld abbilden zu können. Und zwar so, wie Jesus wirklich ist – in der ganzen Fülle. Denn Jesus sagt: „So wie ich in der Welt bin, so sollt auch ihr sein.“ 1.Johannes 4:17

Wie sieht das nun bei dem Amt des Evangelisten aus?

Das Hauptanliegen und die Motivation des Evangelisten ist es, Seelen für Jesus zu gewinnen. Wenn die Gemeinde mit ihrem Dienst keine Verlorenen erreicht, dann sind auch alle anderen Dienste sinnlos. Paulus richtet das Augenmerk im 1.Korinther 12:28, in der Beschreibung der himmlischen Reihenfolge, auf die „Wundertäter“. C. Peter Wagner glaubt, dass Wundertäter eine andere Umschreibung für die Rolle des Evangelisten im apostolischen Umfeld ist. Der Zusammenhang ist uns jedoch irgendwie verloren gegangen. Ohne Leiterschaft von Aposteln und Propheten können Wundertäter ihre Gabe normalerweise nicht ausüben. Im apostolischen Umfeld ziehen Apostel und Propheten das Übernatürliche in den Alltag, so dass die Wundertäter herum laufen und einfach alles Mögliche ausprobieren, um zu sehen, was dann passiert. Ein Beispiel dafür sind die von den Aposteln in der Apostelgeschichte ordinierten Tischdiakone, Stephanus und Philippus, die später als Wundertäter auftauchten und Menschen zu Jesus führten.

Wenn der neue Weinschlauch der apostolischen Leiterschaft gebildet ist, dann wird eine neue Welle der Evangelisation durch die Wundertäter, sprich Evangelisten, freigesetzt werden.

Im letzten Jahrhundert legte die Kirche den Schwerpunkt auf Evangelisation. Männer wie D.L. Moody, William Booth und Charles Finney lehrten die Gemeinde, Menschen für Jesus zu gewinnen. Die Wundertäter aber bringen eine neue Evangelisationspraxis in die Gemeinden. Diese radikalen Gläubigen setzen Begegnungen mit Gott frei, wo immer sie auftauchen: am Arbeitsplatz, an der Straßenecke, im Supermarkt, im Restaurant. Heilungen, Wunder, Worte der Erkenntnis, prophetisches Dienen und himmlische Offenbarungen bringen die Leute in Scharen zu Jesus.

Der Evangelist ist nicht der hauptbeauftragte Menschen-zu-Jesus-Bringer! Er ist derjenige, der die Gemeinde sensibilisiert, übernatürliche Aktivitäten überall und nicht nur in den heiligen Räumen der Gemeinde zu fördern. Er tut dies, indem er Menschen Mut macht an Orten aufmerksam auf den Himmel zu achten, wo man normalerweise auf ganz andere Dinge achtet, zum Beispiel beim Einkaufen oder bei der Arbeit. Er hilft, dass das Wirken und Weitergeben des Evangeliums in Zeichen und Wundern für einen Christen überall in seinem Leben einfach wird!

Evangelisten sind oft unangepasst, wild, übertreiben gerne mit Zahlen und Bedeutungen von Geschichte und Begebenheiten, aber sie sind von Gott ausgestattet, um Christen aufzurütteln und zu sensibilisieren, dass Jesus seinen Fokus auf die Verlorenen gesetzt hat. „Ich bin nicht gekommen, die Gerechten zu rufen, sondern die Sünder.“ Lukas 5:32

Wenn die Evangelisten erkennen, dass die Gemeinden des Neuen Weinschlauches von apostolisch-prophetischen Leitern gestaltet werden, werden die Übertreibungen und Unangepasstheiten eingestellt und mit einer großen Sicherheit und vollmächtigen, mutigen Handeln ausgetauscht. Denn die aufgezählten Eigenarten der Evangelisten sind eine Nebenwirkung, die durch eine kranke und unvollständige Sicht der Gemeindeführung entstand. Denn eine pastoral/lehrmäßig ausgerichtete Gemeindeführung erträgt die Zugkraft nicht, Menschen an allen Orten Gemeinde sein zu lassen. Sie wollen die Kontrolle behalten und sehen diese gefährdet, wenn Leute überall das Evangelium demonstrieren und nicht mehr nur in den heiligen Hallen der Gemeinde. Deshalb werden Evangelisten in den Gemeinden eher geduldet, aber am liebsten ausgesandt! Ihr Dienst, Menschen in Evangelisationsveranstaltungen zu Jesus zu führen, ist gerne gesehen, wenn sie danach weiterziehen. Das verfehlt aber den eigentlichen Sinn dieses Amtes.

In Gemeinden des Neuen Weinschlauches werden sich Evangelisten wieder in der Gemeinde „zu Hause“ fühlen; nicht mehr eingeengt und ausgebremst von pastoralen Warnungen (Evangelisieren überfordert die schwachen Schafe und bringt sie unter Druck!) oder der richtig-falsch Lehrüberzeugung (So kann man doch nicht predigen!). Das kann deshalb so passieren, weil unter der apostolischen Leitung die Dienste ineinander eingefügt und in ihrer Bedeutung nicht mehr beschnitten werden. Denn die apostolische Leitung schützt den Evangelisten in seinen Bemühungen, Glieder der Gemeinde an allen Orten ausserhalb der vier Wände zu befähigen, der Guten Nachricht von Jesus die richtige Demonstration zu verleihen. Er muss die Gemeindeglieder nicht mehr zu speziellen Aktionen rauszerren, um dem Missionsbefehl Jesu Bedeutung zu geben. Wenn das Amt in der Gemeinde funktioniert, verfolgt jeder den evangelistischen Lebensstil auf seine Art und Weise, wie ihm der Evangelist es beigebracht hat. Das hat zur Folge, dass viele Menschen gerufen werden und die Gemeinde wieder der Ort der Heilung und der Demonstration von Gottes Gegenwart wird. Eine Heimat, in der die ganze Vielfalt Gottes sichtbar gemacht und einer verlorenen Welt ein Schauspiel gegeben wird, wie Gott sich den Himmel auf der Erde vorstellt.

In der nächsten Folge beleuchte ich den Dienst des Propheten in der Gemeinde. Und damit beginnt der Blick auf die 2 Ämter, die entscheidend dafür verantwortlich sind, dass die anderen Ämter sich nicht verselbstständigen und die Prioritäten des Königreichs eingehalten werden.

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